Virtualität, Mapping und Masking


Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, ob die Technik des Mappings und Maskings tatsächlich das Potenzial besitzt, etwas an unseren gewohnten Wahrnehmungsmustern zu verändern, oder nur eine Art Zaubertrick ist, den wir amüsiert betrachten.

MUMOK resampled by Strukt 2009

Im Herbst 2009 realisierte das Wiener Design Studio Strukt “MUMOK Resampled”[1]. Eine Projektion, die nicht durch einen sichtbaren Frame als solche erkennbar ist, lässt die Steinquader des Museums für Moderne Kunst (MuMoK) bewegen und ein Eigenleben bekommen. Der Effekt ist faszinierend, doch bei alle dem: niemand läuft davon, niemand hat Angst, plötzlich vom dem Gebäude überrollt zu werden. Wir wissen, dass die Projektion eine Projektion bleibt und künstlich erstellte Bilder unsere Sinne verwirren. Wir vertrauen darauf, dass das virtuelle Potenzial in der digitalen Projektion gefangen bleibt und unsere feste Wirklichkeit unberührt lässt. Das Potenzial des Mappings & Maskings scheint zu sein, dass sich virtueller und realer Raum vermischen, dass nicht mehr erkennbar ist, wo die Projektion endet und die Wirklichkeit beginnt. Die Verunsicherung hält sich aber in Grenzen und das Irritationspotenzial scheint nicht über das einer optischen Täuschung hinauszugehen.
Dabei wäre es spannend, den Begriff von Virtualität über dessen Konstruktion durch Visualisierungen im digitalen Zeitalter hinaus zu verstehen. Als etwas, was nie von dem was wir “physisch” oder “real” nennen, zu trennen ist.
Gehen wir davon aus, dass wir die Welt nur durch unsere Wahrnehmung begreifen und nur über das, was wir wahrnehmen, Aussagen über die Welt machen können, dann kann unsere Wahrnehmung es uns trotzdem schwer machen, auf eine feste Realität und eine davon klar abgegrenzte Virtualität zu schließen. Wenn das Virtuelle all das ist, was nicht real, nicht aktuell vorhanden, aber doch mit unserer Wirklichkeit verbunden ist, dann könnte man auch Zukunft und Vergangenheit virtuell nennen.
Aber in unserer Wahrnehmung vermischt sich das Bild der Gegenwart immer mit der Vergangenheit und der Zukunft. Jeden Moment gleichen wir mit dem soeben Vergangenen und dem möglichen Zukünftigen ab – um uns orientieren und handeln zu können. Wir erkennen ein Buch nur als real vorhandenes Buch, weil wir vorher schon hunderte Bücher gesehen haben.
”Das Virtuelle” wären aber auch alle anderen Möglichkeiten, durch deren Abgrenzung sich die eine, die wir als die Reale wahrnehmen, erst definiert – über das tatsächlich Vergangene und Zukünftige hinaus. Das MuMoK bewegt sich nicht, es steht still.
”MUMOK Resampled” visualisiert also nur einen kleinen Teil des virtuellen Potenzials des MuMoK. Wenn wir nun aber annehmen, dass das was projiziert wird dem Virtuellen entspricht, ist das irreführend. Die Projektion ist genauso real bzw. hat genauso viel virtuelles Potenzial wie das MuMoK selbst. Wenn wir aber die reale Projektion mit der Virtualität verwechseln, könnte das zur Folge haben, dass sich nicht etwa die Grenzen zwischen Virtualität und Realität auflösen, sondern im Gegenteil unsere Wahrnehmungsmuster sich festigen – es kann ja auch beruhigend sein, sich darauf zu verlassen, dass etwas so ungreifbares wie die Virtualität in der Projektion gefangen bleibt und uns nichts anhaben kann. Wenn Mapping & Masking als Auflösung der Grenzen zwischen Virtualität und Realität aber wirklich funktionieren sollten, müssten sie uns das ganze virtuelle Potenzial des MuMoK und nicht nur die Visualisierung eines kleinen Teils davon zeigen. Vielleicht muss genau dieses Vorhaben aber immer scheitern, weil jeder Versuch Virtualität zu visualisieren, zugleich eine Reduktion des virtuellen Potenzials auf ein Stück Realität wäre und somit nicht mehr virtuell.


[1] http://vimeo.com/7572445

5 Comments to “Virtualität, Mapping und Masking”

  1. James sagt:

    Wenn mein Schreibtisch in den Fokus gere4t, fe4llt mit Regelme4dfigkeit das (mahnende) Stichwort Feng Shui , was mich darauf sclihedfen le4sst, dass dort Antworten zu Orga -Fragen zu finden sind.Eine U-Bahn-DJ-Lieblingsansage (kolportiert von Kurt Krf6mer, der vor einigen Jahren unmittelbar nach einer le4ngeren entspannenden Fernreise sofort wusste, dass er wieder daheim in Berlin ist, als der Schaffner, bevor der Zug losfahren sollte, durch die Bahnsteiganlage brfcllte): Mit dem Fahrrad nich in’n ersten Wahren!!!!!

  2. back two sagt:

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