Die mediale Stadt

sound:frame Workshop at Donaukanal 02.04.2010 (Foto: sound:frame2010)

Durch neue Medien und Technologien hat sich unser Verhältnis zur Umwelt völlig verändert.[1] Telefonierend bewegen wir uns ständig an zwei Orten gleichzeitig (hier physisch, dort beim Gesprächspartner geistig anwesend[2]). Zur Orientierung gelten immer weniger Anhaltspunkte in der Umwelt (z.B. Türme, Verkehrszeichen), sondern wir lassen uns durch das GPRS oder google maps im Handy führen. Hausfassaden lösen sich auf, verlieren an Materialität und nehmen ständig neue Formen an, als Werbeflächen oder faszinierende Lichtspiele. Künstlerische Interventionen wie die Installationen der Visualist_innen auf dem sound:frame festival versuchen herkömmliche Seh- und Hörgewohnheiten aufbrechen, Wirklichkeitskonstruktionen umzudeuten und zu manipulieren[3] .

“sound:frame dimensions setzt sich mit der audio:visuellen Bespielung dreidimensionaler, räumlicher Strukturen auseinander. (…) Räume werden durch Projektionen und das Einsetzen spezieller Soundebenen aufgelöst, Fassaden virtuell zum Einsturz gebracht. (…) Ziel ist es, sich das bespielte Objekt virtuell einzuverleiben den Raum mit audio:visuellen Mitteln zu erobern.”[4]

Was passiert dabei mit uns? unserer Wahrnehmung? unserer Wahrnehmung der physischen Umwelt? Haben die audio:visuellen Arbeiten das Potential die Konstruiertheit unserer Wirklichkeit aufzuzeigen? Eva Bischof spricht in der Bildsprache der Visualist_innen von „Codes“, die nur von den Mitgliedern derselben Szene entzifferbar sind.[5] Bleiben die Botschaften der Visuals für Außenstehende folglich nichts weiter als schillernde tanzende Bilderwelten? Und was bedeutet dies für die Lesbarkeit einer medialisierten Stadt?

Projektionen im Stadtraum: das Blumenmotiv in diesem Schaufenster in der Westbahnstraße setzt sich als Projektion an der nächsten Häuserwand fort. Das Lokal “verwächst” mit seiner Umgebung. (Foto: michi.go 2010)


[1] vgl u.a.: Ohm, Iver (2010):  Der umgekehrte Schuh. Oder die Fragwürdigkeiten des Raumes; Hanzer, Markus (2009): Krieg der Zeichen. Mainz am Rhein: H. Schmidt, 2009

[2] siehe Spiegl, Andreas: Telefonate mit Bildern und Bildtelefone. In: Jaschke, Beatrice (Hg.): „Wer Spricht? Wien: Verlag Turia + Kant 2005. S. 93-104

[3] siehe Scharf-Minichmair, Isa: Die Welt der Umdeutungskraft. In:  Fischer, Eva; Bogner, Dieter; Künstlerhaus Wien (Hg.): Sound:Frame Festival zur Visualisierung von elektronischer Musik 2008. Wien: Cernin Verlag 2008. S.26

[4] siehe: Fischer, Eva: soundframe2010_EvaFischer_Abstract.pdf; 2010

[5] siehe Fischer, Eva: Sound:Frame Festival zur Visualisierung von elektronischer Musik. In:  Fischer, Eva; Bogner, Dieter; Künstlerhaus Wien (Hg.): Sound:Frame Festival zur Visualisierung von elektronischer Musik 2008. Wien: Cernin Verlag 2008. S.9

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