Die Stimme der Akteur_innen

Wie können Berichte über partizipatorische Kunstvermittlungsprojekte den gemeinschaftlichen Prozess sichtbar machen?

http://mischen-possible.org/ heißt der Webblog der Künstlerin Mona Jas, welchen sie im Rahmen eines Kunstvermittlungsstipendiums in der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst eV // Berlin (NGBK) entwickelt hat. Und eben dies will sie auf der Internetplattform zeigen: Mischen is possible! Die »Vermischung der Felder „Kunst“ (NGBK) und „Bildungseinrichtung“ (Schule, Universität, Fortbildungseinrichtungen, u.ä.)«1 zeichnet die Projekte aus, welche hier präsentiert werden. Besonders hellhörig wurde ich, als ich in “Über diesen Blog“  folgenden Absatz las:

Damit sollte meine künstlerische Vermittlungsarbeit als solche transparent werden … (und) den Beteiligten der Projekte … eine Stimme verliehen werden.“

Diese Beschreibung klingt sehr ähnlich wie meine eigene Vorstellung dessen, was unsere website können soll:

Auf der „plattform kunstdialoge“ sollte aber – entsprechend dem Namen – der Dialog im Mittelpunkt stehen. … Mit der Einladung an alle Besucher_innen der Website, sich an den Diskussionen und Aktionen im Internet zu beteiligen, streben wir an, dass viele Stimmen gehört, viele Sichtweisen betrachtet werden können. Für den/die Vermittler_in, als ein/e Diskussionsteilnehmer_in unter vielen, entfällt hier der Status des autorisierten Sprechens. (aus dem Artikel: “Kunstvermittlung und das Web”)

Im Blog „MISCHEN:POSSIBLE“ werden die Projektbeteiligten durch die von Mona Jas und ihren Mitarbeiter_innen erstellten Präsentationen der Aktionen und der Resultate über Text-, Foto-, Video- und Audiobeiträgen sichtbar oder „gehört“. Die aktivierte Kommentar-Funktion, macht es auch anderen (Beteiligten wie auch Außenstehenden) prinzipiell möglich, die eigene Meinung zu äußern. Dieses Angebot wurde allerdings, wie auch auf „plattform kunstdialoge“, bisher leider kaum genutzt.

Stellt nun die Kommentierbarkeit der Aktionen die Möglichkeit dar, die Stimmen der Mitwirkenden hörbar zu machen? Oder ist das Anliegen der Künstlerin bereits in der Präsentationen der Projekte erfüllt?

In der Beschreibung der Projekte sieht Mona Jas allerdings auch die Gefahr der Etikettierung”. Ist es möglich über Aktionen mit Anderen zu berichten ohne diese „vorzuzeigen“? Wie muss die Präsentation eines Projekts verfasst sein, damit sich alle Beteiligten darin wieder finden? Ist das aus EINER Perspektive überhaupt möglich? Oder kann man dies schließlich doch nur dann erreichen, wenn jene selber sprechen, denen eine Stimme verliehen werden soll?

Möchte man, dass die Akteur_innen der Projekte selbst ihre Erfahrungen in Projekten äußern, ist es wohl auch notwendig ihnen Möglichkeiten und Werkzeuge hierfür anzubieten. Neben dem Verfassen eigener Textbeiträge oder Kommentare zu bestehenden Berichten stelle ich mir darunter auch Interviews mit den Beteiligten vor, welche in Form von  Audio- oder Videoaufzeichnungen oder einer Sammlung von Zitaten im Web sichtbar werden könnten. Allerdings passiert dies vermutlich wiederum durch die Aktion der Bloggerin / des Bloggers selbst.

Wie muss eine web-Plattform wohl beschaffen sein, die die Besucher_innen dazu motiviert, ihre eigene Sichtweise der Dinge einzubringen?

1Zit. Mona Jas (2009): „Über diesen Blog“ http://mischen-possible.org/blog/?page_id=208 (gelesen am 14.06.2010)

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