Kunstvermittlung und das Web

Wie schafft man es in der riesigen Internet-Cloud – angefüllt mit allerlei Müll – etwas Spannendes zu positionieren?

Neben den verschiedenen – vor allem personalen – Vermittlungsangeboten, welche an Zeit und Raum gebunden sind, kann mediale Vermittlung im Internet eine davon gelöste Auseinandersetzung ermöglichen; sie ist jederzeit und vielerorts verfügbar, wiederholbar und individuell nutzbar.

Bei der Recherche nach Formen medialer Vermittlung im Internet bin ich auf große Bandbreite an Anwendungsmöglichkeiten gestoßen. (Beispiele) Allerdings führte die Suche danach über mehr Umwege als ich zunächst dachte. Schlagworte wie „mediale Kunstvermittlung“ oder „mediale Vermittlung von Kunst“ führten beim Googlen zu wenig brauchbaren Ergebnissen. Schließlich wurde ich in Tagungsberichten und Publikationen zum Thema fündig (welche allerdings wiederum nicht die aktuellsten Beispiele erhalten).

Interaktiv ≠ Aktiv

Die entdeckten Online-Angebote bewegen sich zwischen Unterhaltung/Spiel und weiterführende Informationen zu Kunstwerken und Künstler_innen. Als vielbemühtes Schlagwort taucht „Interaktivität“ auf vielen dieser Seiten auf. Manchmal mehr, manchmal weniger mit der Funktion ausgestattet frei durch das Angebot zu navigieren, ist ein Austausch mit den Besucher_innen der Website, Möglichkeiten die eigene Meinung Kund zu tun und in einen Dialog über den Inhalt zu treten, allerdings nur in den wenigsten Fällen vorgesehen.

Dialog anstelle von Einbahn-Kommunikation

Auf der „plattform kunstdialoge“ sollte aber – entsprechend dem Namen – der Dialog im Mittelpunkt stehen. Hier möchten wir das physisch-sinnlich Wahrnehmbare von Kunstwerken um vielfältige gedankliche Ebenen erweitern; eine mehrdimensionale Auseinandersetzung mit den Themen Kunst und ihre Vermittlung sowie die Vernetzung verschiedener Positionen sollen angeregt werden. Mit der Einladung an alle Besucher_innen der Website, sich an den Diskussionen und Aktionen im Internet zu beteiligen, streben wir an, dass viele Stimmen gehört, viele Sichtweisen betrachtet werden können. Für den/die Vermittler_in, als ein/e Diskussionsteilnehmer_in unter vielen, entfällt hier der Status des autorisierten Sprechens.
Mit diesen Punkten auf der Wunschliste mutet das Profil der Plattform eher wie eine Online-Zeitung mit Kommentar-Option an. Insbesondere wenn man der Beschreibung von Wolfgang Blau, dem Chefredakteur der Zeit Online, folgt: „Eine unserer Aufgaben wird sein, das Fachwissen unserer Leser zu bündeln, zu verifizieren, zu moderieren.
Ein Blick in solcherlei viel kommentierte Online-Magazine zeigt jedoch wiederum die Für und Wider dieses Systems. Vor allem sind es Skandalmeldungen, die Leser_innen dazu bewegen, ihre Meinung zu äußern; die Qualität der Beiträge reicht von empörten Aufschreien über reflektierte Kritik zu obszönen Provokationen.

An diesem Punkt tauchen für mich ein weiteres Mal viele Frage auf:

Was kann Kommunikation im Internet erreichen? Ist ein lebendiger und kreativer Dialog mit virtuellen Gesprächspartner_innen im www überhaupt möglich? Wo muss man schließlich doch die Grenzen des Mediums erkennen?

Transfer. Beiträge zur Kunstvermittlung. N° 3. Versuche im Zwischenraum. Experimentelle Kunstvermittlung im digitalen Zeitalter“. Die Publikation mit dem selben Titel wurde herausgegeben vom Schöppinger Forum für Kunstvermittlung. Redaktion Sigrun Brunsiek und Heinz Kock. Schöppingen, 1. Aufl. 2004.

Wolfgang Blau: “Der ideologische Widerstand, eigene Rollenbilder zu überdenken, ist groß.” Interview von Doris Rasshofer mit Wolfgang Blau in Carta – Autorenblog für die Politik, Ökonomie und digitale Öffentlichkeit 2009; http://carta.info/16015/wolfgang-blau-zeit-online-journalismus-medienwandel/ (gelesen am 15.05.2010; 15:00)

9 Comments to “Kunstvermittlung und das Web”

  1. [...] schließlich auch in der Vermittlung des sound:frame festivals versuchen. Entstanden sind: die „plattform kunstdialoge“ und ein Aktion mit [...]

  2. [...] Diese Beschreibung klingt sehr ähnlich wie meine eigene Vorstellung dessen, was unsere website können soll: Auf der „plattform kunstdialoge“ sollte aber – entsprechend dem Namen – der Dialog im Mittelpunkt stehen. … Mit der Einladung an alle Besucher_innen der Website, sich an den Diskussionen und Aktionen im Internet zu beteiligen, streben wir an, dass viele Stimmen gehört, viele Sichtweisen betrachtet werden können. Für den/die Vermittler_in, als ein/e Diskussionsteilnehmer_in unter vielen, entfällt hier der Status des autorisierten Sprechens. (aus dem Artikel: “Kunstvermittlung und das Web”) [...]

  3. Tasya sagt:

    K. S. schreibt:Zugegeben, die Arminushalle hat eigine interessante architektonische Details und ich gehe da manchmal Brf6tchen holen. Aber ehrlich gesagt, von innen gefe4llt mir das Hallenambiente (derzeit) weniger als das Rathaus. Und ehe man eine weitere Grfcnfle4che schafft, sollte man erst mal den Kleinen Tiergarten ordentlich herausputzen.Antwort

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