Führung versus Workshop

Was können die verschiedenen Vermittlungsformate leisten?

Bei einer Führung können gemeinsam Kunstwerke betrachtet, individuelle Eindrücke verbalisiert und zur Diskussion gestellt werden. In der Gruppe wird eine Sprache gefunden, aus unterschiedlichen Perspektiven wird das Erfahrene benannt und es entsteht ein Dialog, der einfach nur Gesehenes verbalisieren und auch analysieren kann, oder eine Eigendynamik entwickelnd in ungeahnte Richtungen führt.

Die verbale Vermittlung, der Dialog über eine künstlerische Arbeit kann auch zu einem Gespräch über den  künstlerischen Prozess werden. Die verschiedenen Ebenen künstlerischen Schaffens können gemeinsam betrachtet, rekonstruiert oder analysiert werden.

Wäre es aber möglich durch das Format des Workshops den Teilnehmer_innen ein Eintauchen in den künstlerischen Prozess zu ermöglichen? Und ist dies überhaupt ein anstrebenswertes Ziel?

In der Workshopsituation steht nicht „nur“ die Kommunikationsform der verbalen Sprache zur Verfügung. Sie kann neben anderen Ausdrucksmöglichkeiten auch verwendet werden. Die Teilnehmer_innen können sich verschiedener „Sprachen“ bedienen, das Format an sich lässt von verbaler über schauspielerisch – darstellender, performativer Form bis zu zwei- oder dreidimensionaler Gestaltung in verschiedensten Medien und Materialen alles zu.

Die Interaktion mit einem Material, mit Medien, dem eigenen Körper oder anderen Personen tritt in den Vordergrund, die Teilnehmer_innen sind aktiv in einen Prozess eingebunden, im Gegensatz zu einer Führung, bei welcher sie meist mit „fertigen“ Artefakten konfrontiert werden.

Was sind die Vor- und Nachteile der Formate, bzw. welche neuen Formate könnten als Vermittlungssituation sinnvoll werden?

2 Comments to “Führung versus Workshop”

  1. Verena Faisst sagt:

    Was passiert, wenn die eigene Erfahrung künstlerischer Prozesse, wie sie im Workshop stattfindet, mit der Vermittlung einer konkreten künstlerischen Arbeit vermischt wird? Versteckt sich die Intentionalität der Vermittlung dann nicht nur hinter dem scheinbar ganz selbstständigen Tun? Oder geht die Erfahrung des Kunstwerks selbst möglicherweise verloren, weil die erhoffte „Interaktivität“ zur „Parallelaktivität“ wird? (Unter welchen Umständen) ist Interaktivität im Nachhinein einer künstlerischen Arbeit „hinzufügbar“ wenn nicht von vornherein mitgedacht? Muss / kann Kunst überhaupt vermittelt werden oder genügt es, einen Zugang zu künstlerischen Prozessen allgemein zu vermitteln?

  2. Mona Jas sagt:

    Für mich gibt es nicht die “Hoheit” eines Kunstwerkes, die es zu vermitteln gälte. Daraus ergibt sich in meiner Arbeit auch kein Konflikt, in der Weise, dass ich so tue als ginge es mir um die künstlerische Entwicklung der Teilnehmenden und unterschwellig vermittelte ich ihnen dann doch nur das Kunstwerk.

    Ein Kunstwerk ist in meinen Augen ein Raum, der in dem Moment, in dem die KünstlerIn ihn an die Öffentlichkeit gibt, frei für alle ist. D.h. für mich hat Kunst einen zutiefst demokratischen Aspekt. Jede darf alles dazu denken, entwickeln und produzieren. Im physischen Bereich ist dies mit den Urheberrechten abzuklären (z.B. Post its mit Kommentaren an die Werke kleben, verändert die Werke, das geht nur in Absprache mit der KünstlerIn und oder KuratorIn). Im geistigen Bereich ist alles erlaubt.

    Ich habe mir wegen dieser Haltung schon Beschwerden von einem Künstler anhören müssen, der es absolut unerträglich fand, wie eine Schülergruppe sein Werk interpretierten. Ich hingegen fand, dass erst die Interpretation der SchülerInnen seinem Werk zum Leben verhalf. Der Künstler hingegen wollte seine künstlerischen Intentionen vermittelt wissen. Wenn aber diese künstlerischen Intentionen sich nicht durch das Werk selbst vermitteln, wer ist dafür verantwortlich – und – ist das überhaupt so erstrebenswert?

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